Stadtentwicklung und Verkehr

Die Oranienstadt Dillenburg gilt traditionell als Standort des verarbeitenden Gewerbes. Über 49% der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnisse sind in diesem Bereich zu finden. Die Bevölkerungszahl hat 24.000 Personen überschritten, die Stadt steht in der Verantwortung die Lebensverhältnisse für alle Bevölkerungsgruppenangemessen zu gestalten. Hierzu gehören aufgrund der fortschreitenden Altersentwicklung und der Zuwanderung ausländischer Fachkräfte die Berücksichtigung aller Aspekte des Themenfeldes Barrierefreiheit.
Eines der wichtigsten Grundbedürfnisse des Menschen ist das Wohnen. Barrierefreiheit, Wärmeversorgung, Hitzeresilienz sind einzuplanen und dennoch muss sozialer Wohnungsbau entstehen. Stadtentwicklungsstrategien müssen fortgeführt werden um nicht zuletzt die Attraktivität des Wirtschaftsstandortes zu festigen. Gerade junge Menschen oder gewonnene Fachkräfte müssen Dillenburg als verlässlichen Lebensstandort kennenlernen.

Das seit 2012 bestehenden Innenstadtentwicklungskonzept ISEK ( damals „Aktive Kernbereiche“ )hat auf der Grundlage der Beteiligungen der Bürgerinnen und Bürger viele Prozesse angestoßen und einige Vorhaben umgesetzt. Das Konzept muss nun mit dem Programm „Lebendige Zentren“ dringend in eine Umsetzungsphase weitergeführt werden.
Bisherige Programmschwerpunkte wurden ergänzt um die Dimensionen „Baukulturelles Erbe“, „Energieeffizienz“ sowie „Klimaschutz“. Auf der Grundlage der erstellten Konzepte sind interne Strategien zu entwickeln und konkrete Maßnahmen und Projekte zu einer Umsetzung zu benennen.

Ein für die Innenstadt bestehendes Verkehrskonzept muss ebenso klug wie nachhaltig weiter umgesetzt werden und natürlich liegt der Fokus bei der Stadtentwicklung nicht nur auf der Kernstadt. Eine optimale innerstädtische Erschließung durch den ÖPNV, eine gute Vernetzung der einzelnen Verkehrsmittel könnte einen Anstieg des Radverkehrs fördern. Die Umsetzung/Fertigstellung von Radwegen im gesamten Stadtgebiet und den Ortsteilen ist Ziel.

Die Stadtgesellschaft bildet eine Gemeinschaft und so sind auch die verschiedenen Stadtteile in ihrer Gesamtheit zu betrachten und die jeweiligen Besonderheiten (Verkehr, Denkmalschutz, Tourismusschwerpunkte, Wohnraumqualität, Entwicklungsmöglichkeiten) gemeinsam zu betrachten, aber auch die bestehende Eigenständigkeit zu beachten. Für alle Stadtteile von Vorteil ist ein lebendiges Zentrum in der Dillenburger Altstadt. Hierzu gehört nicht nur eine Belebung der Innenstadt, insbesondere die Ansiedlung von weiterem Einzelhandel in bestehendem Leerstand, sondern auch die Verkehrsberuhigung und -führung, aber auch mit einem guten Blick auf ältere und eingeschränkte Personen, die weiterhin auf die Nutzung eines PKW angewiesen sein werden. Fußgänger, E-Bike und Fahrradfahrer, Lastradfahrer und Carsharing sollten in ihren Belangen betrachtet und berücksichtigt werden.

Immer häufiger auftretende Starkregenereignisse und die Gefahr von Hochwasser sollten dort wo es möglich und vertretbar ist auf versiegelte Flächen für Parkraum verzichten lassen.
Dem öffentlichen Raum als Naherholungsfläche für viele kommt eine immer größere Bedeutung zu in Punkto Lebens- und Aufenthaltsqualität. Die Innenstadt, die Altstadt sowie die Ortskerne der Stadtteile müssen für die Einwohnerinnen und Einwohner weiterentwickelt und aufgewertet werden. Aufgrund des Klimawandels mit regemäßigen Hitzeperioden im Sommer müssen zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner Grünflächen und Abkühlungsmöglichkeiten aufgewertet und ergänzt werden. Hierzu gehören die Schaffung von attraktiven Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien ohne Verzehrzwang ergänzt um kostenfreie Trinkbrunnen, die mittlerweile eine Notwendigkeit darstellen. Hier ist an Bürgerinnen und Bürger vor Ort ebenso zu denken, wie an die ansteigende Anzahl von vulnerablen Personen aus dem Bereich der Obdachlosigkeit.

Was macht eine Stadt anziehend für Menschen, die überlegen sich hier anzusiedeln?

  • bezahlbarer Wohnraum
  • digitale Anbindung (Homeoffice)
    Möglichkeit Baugrundstücke zu erwerben
  • Gute Betreuungsangebote
  • Angebote für Jugendliche
  • Bildungs- und Weiterbildungsangebote
  • Sicherer Arbeitsplatz vor Ort
  • Natur
  • sauberes Trinkwasser, geringe Licht- und Luftverschmutzung

Zu untersuchen sind allerdings auch neue Grundeinstellungen von jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bezogen auf Lebensvorstellungen. Schnellere Wechsel der Arbeitnehmerverhältnisses und des Lebensmittelpunktes gehören heute dazu. Das hat Auswirkung auf kommunale Einrichtungen und die Wohnraumsituation.